Digitalisierung im Mittelstand erfolgreich umsetzen

Dieser Beitrag wurde zuletzt am 21. November 2022 aktualisiert.

Deutschland soll Hochtechnologieland bleiben, so zumindest das erklärte Ziel der Ampelkoalition. Damit sich dieser Status jedoch langfristig bewahren lässt, ist die digitale Transformation der Industrie unabdingbar. Und gerade hier tun sich derzeit noch viele kleine und mittlere Unternehmen ungemein schwer – eine Handlungsanleitung.

Von Dr. Jörg Schumacher

„Der Industrie kommt eine zentrale Rolle bei der Transformation der Wirtschaft mit Blick auf Klimaschutz und Digitalisierung zu“ – der Koalitionsvertrag der Bundesregierung macht deutlich, von wie großer Bedeutung die fortschreitende digitale Transformation der hiesigen Industrie ist. Zugleich hat sich die Ampelkoalition damit aber auch ein hohes Ziel gesteckt. Schließlich ist die digitale Transformation bei Weitem noch nicht in der Breite angekommen.

Insbesondere viele kleinere und mittlere Unternehmen hinken bei der Digitalisierung im Vergleich zu größeren Konzernen nach wie vor massiv hinterher. Wie das ifo Institut erst Ende vergangenen Jahres festgestellt hat, hapert es demnach massiv an der digitalen Innovationsfähigkeit zahlreicher Betriebe. Soll die Industrie hierzulande langfristig international wettbewerbsfähig bleiben, ist daher dringend Handlungsbedarf erforderlich.

Digitale Technologien ganzheitlich integrieren

Bevor jedoch die Gründe für das Hinterherhinken sowie mögliche Lösungsansätze dargelegt werden können, ist es zunächst entscheidend, einen Schritt zurückzumachen. Konkret geht es vorab nämlich um die Frage: Was genau sieht eine digitale Unternehmenstransformation vor? Obwohl das Wort „Digitalisierung“ in aller Munde ist, scheinen viele kleinere und mittlere Betriebe deren Bedeutung häufig zu unterschätzen. Womöglich, weil sie sich kein umfassendes Bild von den Chancen machen, die die Transformation bietet, und stattdessen eher die damit einhergehenden Aufgaben mit Skepsis betrachten.

Eine recht eingängige Definition liefert beispielsweise SAP, Europas größter Softwarehersteller. Digitale Transformation bedeutet demnach, „digitale Technologien und Lösungen in alle Bereiche eines Unternehmens zu integrieren. Der Wandel ist dabei nicht nur technologischer, sondern auch kultureller Natur.“ Es wird also ersichtlich: Die Digitalisierung ist keineswegs ein Prozess, der sich von heute auf morgen erledigen lässt. Vielmehr handelt es sich um ein äußerst vielschichtiges und komplexes Unterfangen, das umgekehrt jedoch ein großes Wachstumspotenzial birgt.

Unternehmen, die digitalen Innovationen offen gegenüberstehen, haben etwa die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, auf diese Weise neue Kunden zu gewinnen oder bereits bestehende Stammkunden noch enger an sich zu binden. Somit stärken entsprechend digital aufgestellte Betriebe ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der Konkurrenz und sind letztlich dazu in der Lage, Zeit und Kosten aufgrund einer äußerst effizienten Arbeitsweise einzusparen.

Mangelnde personelle und finanzielle Ressourcen

Neben dem Faktor der unterschätzten Bedeutung dieses Wandels spielen jedoch noch viele weitere Gründe eine wichtige Rolle für den digitalen Rückstand. Zahlreiche Unternehmen leiten die Digitalisierung oftmals sehr inkonsequent ein – beispielsweise, weil sie sich hinsichtlich einer strategischen Herangehensweise schlichtweg nicht ausreichend auskennen, aber auch, weil es ihnen an personellen und finanziellen Ressourcen mangelt. Hinzu kommt die mit dem hohen Tempo digitaler Innovationen einhergehende Problematik. Fortlaufend werden neue Technologien entwickelt, die den Betrieben ein hohes Maß an Flexibilität abverlangen – eine Anforderung, der im Arbeitsalltag nicht immer nachzukommen ist.

Angesichts dieser Herausforderungen stellt sich entsprechend die Frage: Wie können es gerade KMU schaffen, sich innerhalb dieses fluktuierenden Marktumfeldes langfristig zu behaupten? Abhilfe kann hier der Einsatz eines externen Interim Managers schaffen, der im Idealfall gemeinsam mit einem erfahrenen und direkt arbeitsfähigen Team auftritt. Ein sicherlich berechtigter Einwand mag hierbei zwar zunächst sein, dass auch bei diesem Vorgehen initiale Kosten entstehen. Dieser Mehraufwand kann jedoch dank eines wesentlich effizienter und somit auch nachhaltigeren Transformationsprozesses ausgeglichen werden.

Doch der Reihe nach – worauf kommt es bei der digitalen Transformation an, unabhängig vom Einsatz eines sogenannten „CDO auf Zeit“? Als eine der absoluten Grundvoraussetzungen für den langfristigen Erfolg gilt dabei zunächst das einhellige Commitment der Führungsebene. Der Wandel betrifft wie eingangs geschildert sämtliche Bereiche eines Unternehmens – von der Produktion über den Vertrieb bis hin zur Logistik. Nur, wenn die Top-Ebene eines Betriebes hierbei eine einheitliche Sprache spricht, lassen sich später auch sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Prozess einbinden.

Digitale Transformation – ein Fulltime-Job

Darüber hinaus sind eine strukturierte Vorarbeit sowie die Implementierung eines steten digitalen Optimierungsprozesses unabdingbar. Dazu gilt es, zunächst den digitalen Status quo eines Unternehmens mit Hilfe einer Ist-Analyse zu untersuchen. Das Ergebnis kann dann wiederum mit State-of-the-Art-Lösungen verglichen werden. Die Differenz gibt schließlich einen guten Anhaltspunkt für den notwendigen Handlungsbedarf und ermöglicht zudem eine Priorisierung der anzugehenden Tätigkeitsfelder.

Ausgehend davon sollten bei der konkreten Maßnahmenplanung stets auch Zeit-, Kosten- und Nutzeneffekte berücksichtigt werden. Dies verhindert mögliche böse Überraschungen während des später fortlaufenden Digitalisierungsprozesses. Geht es dann um die konkrete Personalplanung, ist der Einsatz eines Digitalisierungsteams ungemein wichtig. Die digitale Transformation kann nicht „nebenbei“ durchgeführt werden, sie stellt vielmehr einen querschneidenden Belang dar, der entsprechend professionell bearbeitet werden will.

Das Team wird später die gesamte Umsetzung betreuen, regelmäßige Abgleiche mit den eingangs gesteckten Zielen machen und die Partner- und Lieferantenstrategie im Blick behalten. Anhand dessen wird deutlich, wie zeitintensiv der gesamte Prozess letztlich ist – und worin wiederum der Vorteil eines eingesetzten externen CDO mit Team besteht.

Denn: Dank dieses interimistischen Beratungsansatzes lässt sich die Digitalisierung nicht nur autonom vorantreiben. KMU schonen auf diese Weise insbesondere ihre Ressourcen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zudem können die digitalen Strukturen bereits parallel zum Einsatz des CDO-Teams aufgebaut werden – das spart Zeit und somit letztlich auch Geld. Schließlich gilt es, allein aufgrund der angestrebten Wettbewerbsfähigkeit die Unternehmensabläufe auch während des digitalen Wandels niemals zu stören und die vollumfängliche Handlungsfähigkeit eines Betriebes jederzeit zu bewahren.

Über den Autor:

Jörg Schumacher ist seit 2011 Partner bei der Unternehmensberatung Haselhorst Associates. Herr Schumacher hat langjährige Erfahrungen in der Beratung des Top-Managements und begleitete international als interner Berater und als Manager in Linienfunktionen zahlreiche Projekte zum Thema Organisation. 

Für Haselhorst Associates hat er bereits mehrere Restrukturierungen in Dax-Konzernen mit großem Erfolg geleitet, darunter Reorganisationen in Frankreich, Portugal und Italien. Darüber hinaus hat Herr Schumacher beim Starnberger Unternehmen den Bereich Digitalisierung aufgebaut und verantwortet hier umfassende Digitalisierungsinitiativen bei global agierenden Großkunden.